Wie das Kloster Altzella die Entwicklung Nossens prägte
Wer heute auf Nossen blickt, denkt oft zuerst an das Schloss, die Freiberger Mulde oder die verkehrsgünstige Lage der Stadt. Tatsächlich wäre die Geschichte Nossens ohne das nur wenige Kilometer entfernte Kloster Altzella jedoch kaum denkbar. Über Jahrhunderte hinweg war das Kloster nicht nur ein geistliches Zentrum, sondern auch ein entscheidender Motor für die wirtschaftliche und politische Entwicklung der gesamten Region.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1162. Markgraf Otto der Reiche erhielt von Kaiser Friedrich Barbarossa die Erlaubnis zur Gründung eines Zisterzienserklosters. Mit dem Einzug von zwölf Mönchen aus dem Kloster Pforta im Jahr 1175 begann das klösterliche Leben in Altzella. Das Kloster, ursprünglich „Marienzell“ genannt, sollte zunächst als Grablege der wettinischen Herrscherfamilie dienen. Schon bald entwickelte es sich jedoch zu einem der bedeutendsten und wohlhabendsten Klöster Sachsens.
Für die Region um Nossen hatte dies weitreichende Folgen. Die Zisterzienser galten als hervorragende Organisatoren und Wirtschaftsexperten ihrer Zeit. Sie erschlossen neue landwirtschaftliche Flächen, förderten die Besiedlung bislang kaum genutzter Gebiete und trugen maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Umlandes bei. Historiker gehen davon aus, dass die Mönche wichtige Impulse für die Besiedlung des Erzgebirgsvorlandes und die Entwicklung zahlreicher Dörfer gaben.
Dabei verlief das Verhältnis zwischen dem Kloster und den Herren von Nossen nicht immer konfliktfrei. Beide Seiten stritten über Besitzrechte und Einfluss. Schließlich gelangte die Burg Nossen zunächst in den Besitz der Meißner Bischöfe und später sogar in den Besitz des Klosters selbst. Im Jahr 1436 kaufte das Kloster Altzella die Burg Nossen mit samt der Stadt und nutzte sie fortan als Abtsitz. Damit befanden sich Kloster und Burg erstmals unter einer gemeinsamen Herrschaft.
Wer heute durch den Klosterpark Altzella spaziert, denkt vermutlich zuerst an die beeindruckenden Ruinen, die Grablege der Wettiner oder die Geschichte der Zisterzienser. Weniger bekannt ist, dass Altzella möglicherweise mit einem Werk verbunden ist, das die Rechtsgeschichte Europas über Jahrhunderte hinweg geprägt hat: dem Sachsenspiegel. osters an, die im Mittelalter zu den wichtigsten Gelehrtenbibliotheken Mitteldeutschlands gehörte. Mittelsachsens verbunden gewesen sein könnte. den kostbarsten mittelalterlichen Handschriften Deutschlands zählt. über die Grenzen Sachsens hinausgewirkt haben. in diese Tatsache macht Altzella zu einem der bemerkenswertesten historischen Orte unserer Heimat.
Ein tiefgreifender Einschnitt erfolgte mit der Reformation. Im Jahr 1540 wurde das Kloster aufgelöst und sein umfangreicher Besitz ging an den sächsischen Kurfürsten über. Aus dem ehemaligen Klosterbesitz entstand wenig später das Amt Nossen, das über Jahrhunderte hinweg die Verwaltung großer Teile der Region prägte. Das Schloss Nossen wurde zum Verwaltungssitz ausgebaut. Für diesen Umbau wurden sogar Baumaterialien aus den Klostergebäuden verwendet, die nach der Auflösung des Klosters teilweise abgetragen wurden.
So entstand eine bemerkenswerte Verbindung: Aus den Steinen des mittelalterlichen Klosters wurde ein Teil des Renaissance-Schlosses, das bis heute das Stadtbild Nossens prägt. Die Geschichte des Klosters lebt damit gewissermaßen in den Mauern des Schlosses weiter.
Auch wenn vom einstigen Kloster heute nur noch Ruinen und einige erhaltene Gebäude zeugen, bleibt sein Einfluss auf die Entwicklung Nossens unübersehbar. Die Entstehung zahlreicher Dörfer, die wirtschaftliche Erschließung der Region, die Entwicklung des Schlosses und die spätere Verwaltungsstruktur des Amtes Nossen sind eng mit Altzella verbunden. Wer die Geschichte Nossens verstehen möchte, kommt deshalb an dem ehemaligen Zisterzienserkloster nicht vorbei. Es war über Jahrhunderte hinweg das Herzstück einer Region, deren Entwicklung bis heute von seinem Wirken geprägt ist.

